Notfallseiten für Krisensituationen

Heute Abend findet ab 20 Uhr ein Serverumzug statt. Das Forum kann bis zu 24 Stunden nicht erreichbar sein. Montagabend sollte alles wieder wie gewohnt funktionieren.

Wenn du gerade nicht mehr weiter weißt

Du musst diese Seite nicht erst durchlesen. Ruf an – rund um die Uhr, kostenlos und anonym. Bei akuter Lebensgefahr wähle sofort die 112.

Im Notfall

Krisen kommen selten mit Ankündigung. Diese Seite ist für die Momente, in denen alles zu viel wird.

Es gibt Zeiten, in denen die Not so groß wird, dass der nächste Schritt nicht mehr sichtbar ist. Das kann jeden treffen – bei Depression, Angst, Erschöpfung, nach einem Verlust oder ohne erkennbaren Anlass. Was in diesen Momenten zählt, ist nicht die perfekte Lösung, sondern die nächste halbe Stunde.

Wir haben hier zusammengetragen, was uns und vielen anderen in Krisen geholfen hat: Nummern, die wirklich jemand abnimmt, Anlaufstellen, konkrete Schritte und Skills. Nimm dir, was du gerade brauchst – der Rest kann warten.

Die ersten drei Schritte

  1. Sicherheit herstellen Bring Gegenstände, die für dich gerade gefährlich werden könnten, außer Reichweite – oder bitte jemanden, sie für dich zu verwahren. Bleib möglichst nicht allein in einem Raum, in dem du dich unsicher fühlst.
  2. Jemanden erreichen Ein Mensch, der zuhört, verändert eine Krise. Das kann eine vertraute Person sein, die TelefonSeelsorge unter 116 123, ein Krisendienst oder unser Forum. Du musst nichts erklären können – „mir geht es gerade sehr schlecht“ reicht als Anfang.
  3. Zeit gewinnen Anspannung steigt, hält an und fällt wieder – auch wenn es sich anders anfühlt. Setz dir eine kleine Zeitmarke: die nächsten zehn Minuten, dann noch einmal zehn. Entscheidungen mit endgültigen Folgen dürfen warten, bis die Anspannung gesunken ist.

Wenn du an Suizid denkst

Suizidgedanken sind ein Zeichen dafür, wie unerträglich der Schmerz gerade ist – nicht dafür, dass es keinen Weg mehr gibt. Sehr viele Menschen erleben solche Gedanken in Krisen, und sie gehen zurück, wenn die Krise nachlässt.

  • Gib dir Bedenkzeit. Was heute ausweglos scheint, sieht in ein paar Tagen oder mit Unterstützung oft anders aus.
  • Sprich offen darüber – mit einem vertrauten Menschen, am Telefon oder im Chat. Darüber zu reden macht es nicht schlimmer, sondern leichter.
  • Nimm Hilfsangebote an, auch wenn sie dir im Moment sinnlos vorkommen. Dieses Gefühl gehört zur Krise dazu.
  • Eine psychiatrische Klinik ist kein Scheitern. Ein paar Tage in einem geschützten Rahmen können die Zeit sein, die du brauchst.
  • Bei akuter Gefahr: 112 anrufen oder in die nächste psychiatrische Notaufnahme gehen. Du brauchst dafür keine Überweisung.
Wichtig: Diese Seite ersetzt keine Behandlung und keine Notfallversorgung. Wir sind eine Selbsthilfe-Community – wir hören zu und teilen Erfahrungen, aber wir sind keine Ärztinnen, Therapeuten oder Krisendienst.

Notrufnummern

Alle Nummern auf dieser Seite sind kostenlos – aus dem Festnetz und dem Mobilfunk. Am Handy genügt ein Tippen.

Deutschland – Notruf

Rettungsdienst & Feuerwehr

112 · bei Lebensgefahr, europaweit

Polizei

110 · rund um die Uhr

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

116 117 · außerhalb der Praxiszeiten

Deutschland – Zuhören & Krisenberatung

TelefonSeelsorge

116 123

0800 111 0 111 · 0800 111 0 222
24 Stunden, anonym, konfessionsunabhängig

Kinder- & Jugendtelefon

116 111 · Nummer gegen Kummer

Elterntelefon

0800 111 0 550

Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen

116 016 · 24 Stunden, mehrsprachig

Opfer-Telefon Weisser Ring

116 006 · täglich 7–22 Uhr

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch

0800 22 55 530

Österreich

Notruf

Euronotruf 112 · Rettung 144 · Polizei 133

Telefonseelsorge

142 · 24 Stunden, kostenlos

Rat auf Draht

147 · für Kinder & Jugendliche

Schweiz

Notruf

Euronotruf 112 · Sanität 144 · Polizei 117

Die Dargebotene Hand

143 · 24 Stunden

Pro Juventute

147 · für Kinder & Jugendliche

Tipp: Speichere dir zwei bis drei dieser Nummern jetzt im Handy ab – solange es dir einigermaßen gut geht. In einer Krise ist die Hürde, erst suchen zu müssen, oft zu hoch.

Was kann ich tun?

Nicht alles auf einmal. Such dir eine Sache aus, die gerade machbar wirkt.

Den Fokus verschieben

Kreisende Gedanken verstärken sich selbst. Ablenkung löst kein Problem, aber sie senkt die Anspannung so weit, dass Denken wieder möglich wird – und genau darum geht es jetzt.

  • Eine Serie, ein Podcast oder ein Hörbuch, das du schon kennst – Vertrautes belastet weniger als Neues
  • Musik, die zu deiner Stimmung passt, und danach Musik, die sie langsam verändert
  • Ein Spiel, ein Puzzle, ein Rätsel – etwas, das Aufmerksamkeit bindet
  • Kleine Alltagsdinge: abspülen, Wäsche falten, aufräumen. Klingt banal, wirkt oft erstaunlich gut

Nicht allein bleiben

Einsamkeit macht Krisen schwerer. Melde dich bei jemandem, der dir guttut – nicht bei jemandem, bei dem du dich danach schlechter fühlst. Ein Anruf, eine Sprachnachricht, ein „Kannst du kurz Zeit haben?“ reicht völlig.

Das Forum nutzen – rund um die Uhr

Unsere Community ist auch nachts da. Manchmal ist sofort jemand online, manchmal dauert es ein paar Stunden – gelesen und beantwortet wird jeder Beitrag.

Schreib es auf

Ein eigenes Thema eröffnen hilft doppelt: Du sortierst beim Schreiben, und du bekommst Antworten von Menschen, die es kennen.

Lies mit

Wenn Schreiben zu viel ist: Andere Krisenberichte zu lesen nimmt das Gefühl, mit alldem allein zu sein.

Melde dich beim Team

Bei dringenden Anliegen sind wir ansprechbar – als Menschen, nicht als Ersatz für Therapie oder Krisendienst.

Professionelle Hilfe holen

Wenn du merkst, dass du allein nicht weiterkommst, ist das der Punkt, an dem Fachleute dran sind – nicht erst, wenn gar nichts mehr geht.

  • Behandelnde kontaktieren: Praxis, Therapeutin, Betreuung – schau zuerst, wer aus deinem Helfernetz gerade erreichbar ist.
  • Sozialpsychiatrischer Dienst: bei jedem Gesundheitsamt, kostenlos, auch für Angehörige. Die richtige Adresse für alles, was zwischen Alltag und Notaufnahme liegt.
  • Psychiatrische Institutsambulanz oder Notaufnahme: ohne Überweisung, ohne Termin, rund um die Uhr.
  • Stationäre Aufnahme: wenn du für dich gerade keine Verantwortung mehr übernehmen kannst.
  • 112: wenn du sofort medizinische Hilfe brauchst.
Warte nicht, bis es schlimmer wird. Hilfe zu holen ist kein Notausgang für den letzten Moment, sondern etwas, das früh am besten wirkt.

Anlaufstellen

Beratung per Chat, Mail oder vor Ort – für die Fälle, in denen Telefonieren nicht geht oder es um ein bestimmtes Thema geht.

Chat- und Mailberatung

TelefonSeelsorge Chat & Mail

Anonyme Beratung schriftlich, rund um die Uhr erreichbar.
telefonseelsorge.de

krisenchat

Chatberatung für junge Menschen bis 25, Tag und Nacht.
krisenchat.de

[U25]

Mailberatung von jungen Menschen für junge Menschen in Suizidkrisen.
u25-deutschland.de

Nummer gegen Kummer

Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern – telefonisch, per Chat und Mail.
nummergegenkummer.de

Krisendienste vor Ort

Sozialpsychiatrischer Dienst

In jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt beim Gesundheitsamt. Beratung, Hausbesuche, Vermittlung – kostenlos und auf Wunsch anonym.

Krisendienst Bayern

Rund um die Uhr, bayernweit unter 0800 655 3000.
krisendienste.bayern

Berliner Krisendienst

Neun Standorte, 24 Stunden, auch persönlich.
berliner-krisendienst.de

MuTeS – Muslimisches SeelsorgeTelefon

Seelsorge in mehreren Sprachen, rund um die Uhr.
mutes.de

Beratung zu bestimmten Themen

Sucht & Drogen

Sucht- und Drogen-Hotline: 01806 313031
dhs.de – Suchtberatung in deiner Nähe

Essstörungen

Beratung der BZgA: 0221 892031
bzga-essstoerungen.de

Schwangere in Not

Hilfetelefon rund um die Uhr: 0800 40 40 020
schwanger-und-viele-fragen.de

Suizidprävention

Informationen, Studien und regionale Angebote.
suizidprophylaxe.de

Zuerst das eigene Helfernetz: Prüfe, ob jemand aus deiner Behandlung – Ärztin, Therapeut, Betreuung, Bezugspflege – gerade erreichbar ist. Diese Menschen kennen dich und deine Situation bereits.

Skills & Notfallkoffer

Kleine Werkzeuge für hohe Anspannung. Sie lösen nichts – sie verschaffen dir die Minuten, in denen die Welle bricht.

Wie du Skills einsetzt

Skills wirken am besten, bevor die Anspannung ihr Maximum erreicht. Stell dir eine Skala von 0 bis 100 vor: Zwischen etwa 30 und 70 lassen sich Skills gut anwenden. Darüber hilft meist nur noch Kontakt zu einem Menschen. Wichtig ist das Üben in ruhigen Phasen – was du nicht geübt hast, fällt dir in der Krise nicht ein.

Wieder ankommen

5 – 4 – 3 – 2 – 1

Benenne laut oder in Gedanken: 5 Dinge, die du siehst · 4, die du hörst · 3, die du fühlst · 2, die du riechst · 1, das du schmeckst.

Orientierung

Sag dir: Wo bin ich? Welcher Tag ist heute? Wie alt bin ich? Was ist gerade tatsächlich um mich herum – nicht in meinem Kopf?

Füße auf dem Boden

Beide Füße flach aufsetzen, den Kontakt zum Boden spüren, die Beine anspannen und wieder lösen. Dreimal wiederholen.

Atmen

Länger aus als ein

4 Sekunden einatmen, 6 Sekunden ausatmen. Die längere Ausatmung senkt die Erregung – zwei Minuten reichen oft schon.

Quadrat-Atmung

Einatmen – halten – ausatmen – halten, jeweils 4 Sekunden. Zeichne das Quadrat dabei mit dem Finger nach.

Hand auf den Bauch

Eine Hand auf den Bauch, eine auf die Brust. Ziel: Nur die untere Hand bewegt sich.

Beruhigen über die Sinne

  • Hören: eine feste Playlist für Krisen, Naturgeräusche, eine vertraute Stimme
  • Riechen: ein Duft, den du magst – Kaffee, Lavendel, Zitrone, frische Wäsche
  • Fühlen: eine weiche Decke, ein warmes Getränk in den Händen, eine Wärmflasche, ein Haustier
  • Sehen: Fotos von Menschen und Orten, die dir wichtig sind, ein Blick aus dem Fenster in die Ferne
  • Schmecken: etwas bewusst und langsam essen und dabei alle Geschmacksnuancen benennen

Bewegung

Anspannung will raus. Zügig um den Block gehen, Treppen steigen, tanzen, ein Kissen kneten, laut singen, Muskeln nacheinander anspannen und lösen (progressive Muskelentspannung). Bewegung baut Stresshormone ab – das ist keine Willenssache, sondern Biologie.

Gedanken sortieren

  • Aufschreiben, was gerade los ist – ohne Anspruch auf Form oder Sinn
  • Realitätscheck: Was weiß ich sicher? Was befürchte ich nur? Was würde ich einer Freundin sagen?
  • Rückwärts in Siebenerschritten zählen, ein Kreuzworträtsel, Vokabeln – Aufgaben, die Konzentration fordern
  • „Nur das Nächste“: Nicht der ganze Tag, nur die nächsten zehn Minuten

Deinen Notfallkoffer packen

Ein Notfallkoffer ist eine Box oder Tasche, die du in ruhigen Zeiten vorbereitest – damit du in der Krise nicht überlegen musst.

Hinein gehören

  • Deine drei wichtigsten Nummern auf Papier
  • Fotos von Menschen, Tieren, Orten
  • Etwas Weiches, etwas Duftendes
  • Ein Brief von dir an dich für schlechte Tage
  • Deine persönliche Skill-Liste

Notfallkarte fürs Portemonnaie

Eine Karte im Scheckkartenformat mit deinen Skills, deinen Nummern und einem Satz, der dir hilft. Passt in jede Tasche und ist auch unterwegs da.

Krisenplan

Wer wird wann informiert? Welche Warnsignale kennst du? Was hat beim letzten Mal geholfen? Schreib es auf, solange du klar denken kannst.

Was nicht in einen Notfallkoffer gehört: Skills, die auf Schmerz oder starken Kälte- und Schockreizen beruhen. Sie senken die Anspannung kurzfristig, halten aber das Muster aufrecht, dass Belastung über den Körper „abgestellt“ wird – und bergen selbst Verletzungsrisiken. Wenn dir Selbstverletzungsdruck bekannt ist, sprich das mit deiner Behandlung an; im DBT-Skillstraining wird genau daran gearbeitet.

Für Angehörige

Wenn jemand, den du liebst, in einer Krise steckt – und du nicht weißt, was richtig ist.

Was hilft

  • Frag direkt. „Denkst du daran, dir das Leben zu nehmen?“ zu fragen bringt niemanden auf die Idee. Es ist für die meisten Menschen eine Erleichterung, endlich gefragt zu werden.
  • Bleib da. Zuhören ohne Lösung ist keine Hilflosigkeit – es ist genau das, was in einer Krise wirkt.
  • Nimm es ernst. Auch Andeutungen, auch scheinbar Beiläufiges. Vor allem, wenn jemand plötzlich auffällig ruhig wird oder Dinge regelt.
  • Hilf ganz konkret. Beim Anruf in der Praxis, bei der Fahrt zur Ambulanz, beim Termin ausmachen. Krisen fressen genau die Energie, die man für solche Schritte bräuchte.
  • Sprich über Sicherheit. Frag, ob ihr gemeinsam Dinge außer Reichweite bringen könnt, die gerade gefährlich wären.

Was eher nicht hilft

  • Ratschläge wie „Denk positiv“ oder „Anderen geht es schlechter“ – sie kommen als Vorwurf an
  • Versprechen abnehmen, ohne dass professionelle Hilfe im Spiel ist
  • Geheimhaltung zusagen, wenn Lebensgefahr besteht
  • Diskussionen darüber, ob die Gefühle „berechtigt“ sind

Auch du brauchst Unterstützung

Angehörige sind oft über lange Zeit stark belastet – und rutschen selbst in Erschöpfung. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern normal.

Grenzen sind erlaubt

Du darfst nicht rund um die Uhr erreichbar sein. Klare Absprachen entlasten beide Seiten – auch die betroffene Person.

Beratung für dich

Der Sozialpsychiatrische Dienst und die TelefonSeelsorge beraten ausdrücklich auch Angehörige. Du musst dafür niemanden „anmelden“.

Austausch mit anderen

In unserem Forum gibt es einen eigenen Bereich für Angehörige. Menschen, die dieselbe Situation kennen, verstehen ohne lange Erklärungen.

Im Notfall: Bei akuter Lebensgefahr wähle die 112. Wenn du unsicher bist, ob die Situation akut ist, ruf lieber einmal zu früh an als einmal zu spät – das gilt ausdrücklich auch für Angehörige.

Ein Wort zum Schluss: Wir sind eine Selbsthilfe-Community, kein medizinischer Dienst. Alles auf dieser Seite ersetzt keine ärztliche oder therapeutische Behandlung und keinen Notruf. Was wir bieten, ist Erfahrung, Austausch und ein Ort, an dem du nicht erklären musst, warum es dir schlecht geht.

Schreib dir heraus, was dir wichtig erscheint, oder drucke die Seite aus – dann hast du es griffbereit, wenn du es brauchst. Euer Team von Seelenfarben