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Krisenmanagement
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    3. Krisenmanagement

    Krisenmanagement bei psychischen Erkrankungen: So wirst du vorbereitet

    • Shalin
    • 21. August 2026 um 04:07
    • 9 Mal gelesen
    • 0 Kommentare
    Eine psychische Krise kommt selten mit Ankündigung – aber sie kommt selten völlig ohne Vorzeichen. Gutes Krisenmanagement bedeutet, dir schon jetzt einen Krisenplan zurechtzulegen, den du im Ernstfall nicht mehr selbst erfinden musst.
    Lesezeit: 11 Minuten
    🔄 Zuletzt aktualisiert: August 2026 – Inhalte mit aktuellen Leitlinien und Anlaufstellen abgeglichen.

    Falls du gerade in einer akuten Krise bist: Du bist nicht allein damit. Auf unserer Notfallseite findest du eine Übersicht an Anlaufstellen. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr, kostenlos und anonym unter 0800 111 0 111 erreichbar.

    Bei akuter Lebensgefahr wähle bitte den Notruf 112.

    Wenn du zum ersten Mal mit dem Begriff Krisenmanagement bei psychischen Erkrankungen in Berührung kommst, klingt das vielleicht nach Fachjargon aus einem Lehrbuch. Dabei geht es um etwas ganz Praktisches: einen Krisenplan und ein paar klare Schritte, die dir helfen, wenn der Boden unter den Füßen gerade wegbricht. Genau darum geht es in diesem Artikel – ohne Umwege, ohne Beschönigung.

    📋 Inhaltsverzeichnis ▼
    1. Was ist Krisenmanagement bei psychischen Erkrankungen?
    2. Die Grundlage: einen persönlichen Krisenplan erstellen
    3. Akut in der Krise: Was jetzt wirklich hilft
    4. Angehörige im Krisenmanagement: unterstützen, ohne sich zu verlieren
    5. Nach der Krise: auswerten, lernen, stabiler werden
    6. Häufige Fragen aus der Community
    7. Quellenangaben

    Auf einen Blick

    • Ein Krisenplan wird erstellt, bevor die Krise da ist – im ruhigen Zustand denkst du klarer als mittendrin.
    • Krisenmanagement besteht aus drei Phasen: Vorbereitung, akutes Handeln, Nachbereitung.
    • Angehörige brauchen eigene Strategien – Mitleiden allein hilft niemandem langfristig.
    • Die TelefonSeelsorge (0800 111 0 111) ist kostenlos, anonym und 24/7 erreichbar.

    Was ist Krisenmanagement bei psychischen Erkrankungen?

    Der Begriff klingt technisch, meint aber im Kern etwas sehr Menschliches: den bewussten Umgang mit dem Moment, in dem eine psychische Belastung kippt und du merkst, dass du sie mit deinen üblichen Mitteln gerade nicht mehr auffangen kannst. Eine psychische Krise ist keine Charakterschwäche und kein Beweis dafür, dass „alles umsonst war". Sie ist ein Signal, dass das innere Gleichgewicht aktuell nicht trägt[1]. Das kann bei einer Depression, einer Angststörung, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, einer Psychose oder auch ganz ohne vorbestehende Diagnose passieren – Krisen sind kein Privileg bestimmter Störungsbilder.

    Warnsignale erkennen, bevor es kippt

    Die meisten Krisen kündigen sich an, auch wenn man das im Nachhinein oft klarer sieht als im Moment selbst. Typische Vorboten sind Schlafstörungen, sozialer Rückzug, ein Gefühl von Betäubtsein oder umgekehrt von Reizüberflutung, wachsende Hoffnungslosigkeit oder das Wiederauftauchen von Gedanken und Verhaltensweisen, die du aus früheren schweren Phasen kennst. Wer diese persönlichen Frühwarnzeichen kennt, kann früher gegensteuern, statt erst zu reagieren, wenn schon alles brennt.

    Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen einer normalen schwierigen Phase, einer sich zuspitzenden Krise und einem akuten psychiatrischen Notfall, bei dem sofortiges Handeln notwendig ist – etwa bei konkreter Selbst- oder Fremdgefährdung[2]. Diese drei Stufen brauchen unterschiedliche Reaktionen, und genau deshalb lohnt es sich, sich schon vorher mit ihnen auseinanderzusetzen.

    Warum Vorbereitung der wichtigste Baustein ist

    Im Zustand akuter Überforderung ist das Gehirn nicht mehr in der Lage, komplexe Entscheidungen zu treffen oder sich an sinnvolle Schritte zu erinnern – das ist keine Willensfrage, sondern schlicht neurobiologisch bedingt. Genau deshalb empfehlen Fachstellen unisono, die wichtigsten Informationen und Handlungsschritte schriftlich festzuhalten, solange man noch klar denken kann[3]. Dieser vorbereitete Fahrplan ist der Kern von Krisenmanagement – und er heißt in der Praxis meist schlicht Krisenplan.

    Die Grundlage: einen persönlichen Krisenplan erstellen

    Ein Krisenplan ist im Grunde ein Erste-Hilfe-Kasten für die Seele – man hofft, ihn nie zu brauchen, ist aber froh, wenn er im Ernstfall da ist. Am besten entsteht er in einer ruhigen, stabilen Phase, idealerweise gemeinsam mit einer Vertrauensperson und wenn möglich in Absprache mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten[4].

    Diese Bestandteile gehören hinein

    Ein brauchbarer Krisenplan ist kurz, konkret und in einer Sprache geschrieben, die du auch im aufgewühlten Zustand noch verstehst. Typischerweise enthält er:

    • Deine persönlichen Frühwarnzeichen – woran erkennst du selbst, dass es kippt?
    • Strategien, die dir in früheren Krisen nachweislich geholfen haben.
    • Namen und Telefonnummern von Vertrauenspersonen, die du im Ernstfall anrufen darfst.
    • Kontaktdaten deiner Behandelnden sowie der nächsten psychiatrischen Ambulanz oder Klinik.
    • Aktuelle Medikation und – falls ärztlich abgesprochen – eine Notfallmedikation.
    • Anlaufstellen wie TelefonSeelsorge oder sozialpsychiatrischer Dienst, inklusive Erreichbarkeitszeiten.

    Ein solcher Plan wird durch das gemeinsame Unterschreiben „verbindlicher", auch wenn er rechtlich nicht bindend ist[4]. Diese Verbindlichkeit ist wertvoll: Sie nimmt dir im Ernstfall die Entscheidung ab, ob du „stören" darfst – die Erlaubnis steht schon schwarz auf weiß.

    Ein Mitglied aus unserer Community hat es einmal so beschrieben: „Mein Krisenplan liegt in der Nachttischschublade. Ich lese ihn selten – aber allein zu wissen, dass er da ist, nimmt mir schon Druck."

    Wann und wie du ihn im Alltag nutzt

    Ein Krisenplan bringt nichts, wenn er in einer Schublade verstaubt und niemand weiß, dass es ihn gibt. Sinnvoll ist es, ihn an einem festen, leicht zugänglichen Ort aufzubewahren – digital als Notiz im Handy und zusätzlich als Ausdruck – und ihn regelmäßig, etwa alle paar Monate oder nach jeder größeren Veränderung, gemeinsam mit deiner Vertrauensperson durchzugehen. Nutze ihn schon bei den ersten Frühwarnzeichen, nicht erst, wenn es kaum noch geht.

    Akut in der Krise: Was jetzt wirklich hilft

    Wenn die Krise bereits da ist, zählt nicht Perfektion, sondern der nächste kleine, machbare Schritt. Fachliche Empfehlungen betonen, dass in akuten psychischen Notfällen zunächst Sicherheit und eine ruhige, wertschätzende Gesprächsatmosphäre im Vordergrund stehen sollten, bevor an Problemlösung gedacht wird[1].

    Sofortmaßnahmen, die realistisch umsetzbar sind

    Wenn du merkst, dass eine Krise akut wird, kann folgende Reihenfolge Orientierung geben:

    1. Bring dich zunächst in Sicherheit – räumlich und emotional, so gut es geht.
    2. Hol deinen Krisenplan hervor, falls vorhanden, und arbeite die Punkte der Reihe nach ab.
    3. Kontaktiere eine Person aus deinem Plan – das muss nicht sofort ein Profi sein, oft reicht erst einmal, nicht allein zu sein.
    4. Wenn die Belastung zu groß wird oder du dir selbst nicht mehr sicher bist: professionelle Hilfe kontaktieren.

    Wer dir jetzt konkret helfen kann

    Es gibt in Deutschland ein mehrstufiges Netz an Anlaufstellen für psychische Krisen, das viele Betroffene gar nicht kennen. In akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Situationen außerhalb der Sprechzeiten ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der 116 117 zuständig, viele Städte und Landkreise haben zusätzlich eigene sozialpsychiatrische oder Krisendienste[5]. Die TelefonSeelsorge ist bundesweit kostenlos, anonym und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 sowie 0800 111 0 222 erreichbar[6]. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung gilt: Notruf 112 oder die nächste Notaufnahme, ohne zu zögern.

    Solltest du gerade konkrete Gedanken haben, dir etwas anzutun: Du musst da nicht allein durch. Ruf die TelefonSeelsorge an (0800 111 0 111) oder wende dich an die nächste Notaufnahme. Beides ist kostenlos und ohne Voranmeldung möglich.

    Angehörige im Krisenmanagement: unterstützen, ohne sich zu verlieren

    Wer einen nahestehenden Menschen in einer psychischen Krise begleitet, steht vor einer eigenen Herausforderung. Angehörige und Freunde tun gut daran, so früh wie möglich Unterstützung anzubieten – manche Krisen lassen sich mit Rückhalt aus dem Umfeld tatsächlich abfangen, bevor sie eskalieren[2].

    Was Angehörige konkret tun können

    Zuhören ohne sofort Lösungen anzubieten, ist oft die größte Hilfe. Genauso wichtig ist es, eigene Grenzen zu kennen und zu benennen – Erschöpfung bei den Begleitenden hilft niemandem. Auch für Angehörige gibt es eigene Anlaufstellen: Der sozialpsychiatrische Dienst berät ausdrücklich auch Menschen aus dem Umfeld Betroffener, etwa wenn diese selbst keine Hilfe annehmen möchten[7].

    Wenn Betroffene Hilfe ablehnen

    Das gehört zu den schwersten Momenten für Angehörige: zusehen zu müssen, ohne eingreifen zu können. Solange keine akute Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt, hat die betroffene Person das Recht, Hilfe abzulehnen. Angehörige können in dieser Situation trotzdem präsent bleiben, Angebote wiederholt und ohne Druck aussprechen und sich selbst professionelle Unterstützung holen, etwa über Angehörigengruppen oder den sozialpsychiatrischen Dienst. Bei akuter Gefährdung dagegen sollten Nahestehende handeln und den Notruf verständigen[2].

    Nach der Krise: auswerten, lernen, stabiler werden

    Ist die akute Phase überstanden, folgt oft eine Mischung aus Erschöpfung und Erleichterung – und manchmal auch Scham. Diese Scham ist verständlich, aber unnötig: Eine Krise durchlebt und überstanden zu haben, ist keine Niederlage, sondern ein Beweis dafür, dass du Wege gefunden hast, mit einer extrem schwierigen Situation umzugehen.

    Den Krisenplan überarbeiten

    Sobald du wieder klarer denken kannst, lohnt sich ein ruhiger Rückblick: Welche Frühwarnzeichen hast du übersehen? Welche Schritte aus deinem Krisenplan haben funktioniert, welche nicht? Diese Erkenntnisse gehören direkt in den Plan eingearbeitet – so wird er von Mal zu Mal treffsicherer. Rückfälle gehören für viele Menschen mit einer psychischen Erkrankung zum Krankheitsverlauf dazu, deshalb sollte ein Krisenplan auch Strategien für den Umgang mit erneuten Verschlechterungen enthalten.

    Langfristige Stabilität aufbauen

    Krisenmanagement endet nicht mit dem akuten Moment. Regelmäßiger Schlaf, Bewegung, eine tragfähige Behandlung und soziale Kontakte, die dich nicht zusätzlich belasten, sind die Bausteine, die neue Krisen seltener und weniger heftig werden lassen[2]. Die deutsche Suizidpräventionsstrategie des Bundes betont in diesem Zusammenhang, wie entscheidend es ist, dass Hilfsangebote überhaupt bekannt sind – wer weiß, wohin er sich wenden kann, sucht sich früher Unterstützung[8]. Genau deshalb lohnt es sich, den eigenen Krisenplan nicht nur zu besitzen, sondern ihn auch zu kennen und zu nutzen.

    Fachlich in Vorbereitung ist außerdem eine bundesweite S3-Leitlinie „Umgang mit Suizidalität", die niedrigschwellige Informationen speziell für Betroffene und Angehörige liefern soll[9] – ein Zeichen dafür, dass das Thema strukturiertes Krisenmanagement gesellschaftlich zunehmend ernst genommen wird.

    Häufige Fragen aus der Community

    Muss ich einen Krisenplan wirklich aufschreiben, oder reicht es, ihn im Kopf zu haben?

    Im Kopf reicht in der Regel nicht. Genau der Kopf ist es, der in der Krise am wenigsten funktioniert. Schriftlich – und an einem festen Ort – macht den Unterschied.

    Ich habe Angst, meine Vertrauensperson mit einem Krisenanruf zu überfordern. Darf ich sie trotzdem anrufen?

    Wenn diese Person zugestimmt hat, in deinem Krisenplan zu stehen, hat sie das bewusst so entschieden. Diese Erlaubnis gilt auch nachts, auch beim zweiten oder dritten Mal.

    Was, wenn ich in der Krise niemanden erreiche?

    Dann ist die TelefonSeelsorge dein nächster Schritt. Sie ist rund um die Uhr besetzt, kostenlos und du bleibst anonym – niemand verlangt von dir, deinen Namen zu nennen.

    Fazit

    Krisenmanagement ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Werkzeug, das mit dir mitwächst. Ein Krisenplan nimmt dir im schlimmsten Moment nicht die Krise ab – aber er nimmt dir die Last, in genau diesem Moment auch noch klar denken zu müssen. Fang klein an, hol dir Unterstützung dabei, und überarbeite deinen Plan, sobald du neue Erfahrungen gemacht hast.

    Wie sieht euer Krisenmanagement aus – habt ihr einen festen Plan, oder entscheidet ihr eher spontan, wen ihr kontaktiert? Teilt eure Erfahrungen gerne im Forum.


    Quellenangaben

    1. Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): S2k-Leitlinie Notfallpsychiatrie, AWMF-Registernummer 038-023. register.awmf.org
    2. gesund.bund.de: Mit psychischen Krisen umgehen. gesund.bund.de
    3. Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Kapitel 12: Management bei Suizidalität und anderen Notfallsituationen. leitlinien.de
    4. Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS): Vorsorge/Krisenplan. dgbs.de
    5. gesund.bund.de: Anlaufstellen bei psychischen Krisen. gesund.bund.de
    6. TelefonSeelsorge Deutschland: Telefon. telefonseelsorge.de
    7. gesund.bund.de: Sozialpsychiatrischer Dienst – Hilfe bei psychischen Krisen. gesund.bund.de
    8. Bundesministerium für Gesundheit: Nationale Suizidpräventionsstrategie (2024). bundesgesundheitsministerium.de
    9. AWMF-Leitlinienregister: S3-Leitlinie Umgang mit Suizidalität (in Erstellung), Registernummer 038-028. register.awmf.org

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    • Ein oder mehrere Bilder in diesem Beitrag wurden ganz oder teilweise mit KI erstellt.
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